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Kastrationsprojekte

Dr. Susanne Voglers Einsatz in Cabarete und Sosúa

21.– 28.03.2017

Dr. Susanne Vogler war dieses Jahr zum fünften Mal zum Kastrieren in der Dominikanischen Republik. Seit 2012 kommt sie jedes Jahr, nur 2016 hat sie einmal ausgesetzt. Dieses Jahr konnte der Verein zur Hilfe und Förderung des kreolischen Hundes e.V. aufgrund seiner derzeitigen desolaten finanziellen Lage gar nichts dazu beisteuern, aber das hat Dr. Vogler nicht abgehalten. Sie hat ihren kompletten Einsatz selbst finanziert! Doch es sollen auch weiterhin in dieser Region regelmäßige Einsätze unseres Vereins stattfinden, denn hier soll ein neues Tierschutz & Tourismusprojekt beginnen; unser erstes Voluntouristikprojekt. Der Begriff Voluntouristik oder Voluniourismus kommt aus Nordamerika und ist ein Angebot der Tourismusbranche an Kunden, die in ihren Ferien mehr wollen als faulenzen, Sport treiben oder Sehenswürdigkeiten besichtigen, sondern mit dem Gefühl, in ihrem Urlaubsland etwas Sinnvolles getan zu haben, nach Hause fahren möchten. Laut Kennern der Branche erfreut sich Voluntouristik wachsender Beliebtheit und verspricht, ein großer Erfolg in der Tourismusindustrie zu werden, doch schon werden Kritiken laut, denn die Angebote, die sich fast ausschließlich auf den humanitären Bereich beziehen, betreffen häufig Gegenden und Projekte, wo ausgebildete Entwicklungshelfer benötigt werden und nicht Touristen, die an einer kurzen Exkursion teilnehmen. Im Tierschutz gibt es derzeit noch kaum Möglichkeiten, aber gerade hier können sich Touristen sinnvoll einbringen. In der Karibik gibt es bisher nur das Programm des St. John Animal Care Center auf der kleinen Insel St. John: Wanderungen mit Tierheimhunden. Dabei lernen die Touristen die Schönheiten der Insel kennen und die Hunde freuen sich über einen „Gassigeher“. Voluntourismus sollte nicht mit Volontärseinsätzen verwechselt werden, die einige Fähigkeiten erfordern und mehr Zeit in Anspruch nehmen als dem durchschnittlichen Touristen zu Verfügung steht. Voluntourismus bedeutet eine Möglichkeit, während eines ganz normalen Urlaubs das Land für 1 – 2 Tage auf eine besondere Weise kennen zu lernen, auch die Probleme und Schattenseiten, zu erfahren, welch großartige Arbeit bereits geleistet wird, um diesen Problemen zu begegnen und selbst einen Beitrag dazu leisten zu können. Im Tierschutz lässt sich das besonders gut und wirkungsvoll gestalten.

Unser Voluntouristikprogramm wird 3 Exkursionen anbieten:


Besuch der Auffangstation Moringa’s Mission…


…und zu besonderen Terminen auch Teilnahme an einem Kastrationseinsatz.


Eine Tagestour mit Tierschützerin Marina Jellinek zu den Straßenhunden einer armen Gemeinde…


…und zu den Tieren armer Familien, die mit Futter und Medikamenten versorgt werden.


Reittouren mit Ute Mann und den Pferden ihrer Rancho El Contento zu armen Tieren in einsamen, abgelegenen Dörfern, die auf anderem Wege nicht zu versorgen sind.

Tierliebe Touristen werden die Möglichkeit haben, den Tierschutz in ihrem Urlaubsparadies aus erster Hand erleben und selbst daran beteiligt sein. Sie werden sehen, wie ihre Exkursionsgebühren armen Tieren zugutekommen und den kleinen karibischen Tierschutzorganisationen bei ihren großen Aufgaben helfen – eine Unterstützung, die wir mit unserem begrenzten Budget nicht mehr leisten können.


Im März 2015 gab es auf EL Contento einen Kastrationseinsatz mit Dr. Vogler, die selbst begeisterte Reiterin ist…


…und gern mit Ute Mann unterwegs war.

Auch diesmal verbrachte sie die beiden ersten Tage auf El Contento, doch operiert wurde in Moringa’s Mission.

Dee Morrison hat die kleine Auffangstation 2014 gegründet, nachdem sie jahrelang als veterinärmedizinische Assistentin für Kastrationseinsätze der A.A.A.S. von Kanada in die Dominikanische Republik flog, bis sie schließlich ganz übersiedelte.


Mit ihr kam ihre Dogge Axel.

Auch ihr Schwager, der Tierarzt Dr. Brent Babcock, kommt regelmäßig zum Kastrieren und hat schon öfter zusammen mit Dr. Vogler operiert. Ihm verdankt die kleine Klinik von Moringa’s Mission zwei Inhalationsnarkosegeräte.


Neben Hunden und Katzen tummeln sich in Moringa’s Mission auch Ziegen, ein Esel…


…und Pferde…


…und gelegentlich kommen Kühe zu Besuch.


Viele Tiere kommen krank…


…oder verletzt…


…werden gesund gepflegt und bleiben, bis sie ein Zuhause gefunden haben.


Dee berichtet: “Ich lebe mitten in der Gemeinde von Sabaneta. Die Leute finden schnell den Weg zu mir.“

Besonders die Kinder, die Dee in Scharen besuchen. Dee versucht, auch hier zu helfen, wo es nur geht, mit Essen, mit Kleidung und mit Schulmaterial. Spenden für die Kinder sind immer willkommen.


Gleichzeitig lernen die Kinder hier den richtigen Umgang mit Tieren.


Dr. Vogler kastrierte hier am 22. und 23. Februar.
Dees Haus verwandelte sich für 2 Tage in eine Klinik.

Der OP, einfach und zweckmäßig eingerichtet mit einem Tisch für die Vorbereitung und einem für die Operationen, mit starken Lampen, die das Fotografieren zwar erschweren, für die Arbeit aber ungemein nützlich sind und dem Inhalatiosnarkosegerät im Hintergrund.


Der Warteraum vor dem OP.


12 Hunde waren für den ersten Tag angemeldet, 11 kamen.

Gene Hackman begann vor Jahren als Tierfreund und Volontär. In der Zwischenzeit hat er in den USA eine Ausbildung zum veterinärmedizinischen Assistenten absolviert und das Intubieren klappt perfekt.


Dr. Vogler operierte 10 Hündinnen und einen Rüden an diesem Tag.


Der Aufwachbereich.


Jeder Hund erhält eine Tollwutimpfung.

Es stehen Liegen bereit für Patienten, die nach der OP an den Tropf müssen oder besonderer post-operativer Betreuung bedürfen.

Am zweiten Tag kamen 12 Hündinnen, 2 Rüden und 1 Kryptorchid-Kater.

Dr. Vogler begutachtet die Arbeit ihrer Helfer. Alles läuft bestens.

Am zweiten Tag waren einige Hündinnen trächtig und einige sehr jung, erst 3 Monate alt. Alle wurden kastriert und es gab keine Komplikationen.

Danach siedelte Dr. Vogler um nach Perla Marina, das näher bei Sosúa liegt, und kastrierte die nächsten drei Tage für die A.A.A.S. in Sosúa Abajo…

…im Schulungsraum der Taxifahrervereinigung zusammen mit 8 Tierärzten aus den USA, den Geo Veterinaries, und der dominikanischen Ärztin Dra Gisselle Santos aus Santiago.

Vier Organisationen waren an dem Einsatz beteiligt; A.A.A.S.,GARF, Save our Scruff und GeoVeterinary.

GeoVeterinary wurde von Dr. Joe Zulty gegründet, der früher zu World Vets gehörte. Dr. Vogler hat schon des Öfteren und sehr gern mit ihm zusammengearbeitet.


Das Save our Scruff Team hat während des ganzen Einsatzes sehr tatkräftig mitgeholfen.

Marina Jellinek hat diesen Einsatz für uns begleitet und berichtet:

Hier gab es vor einigen Jahren mit AAAS und World Vets bereits eine Feldklinik. Gegenüber dem Feuerwehrhaus in Charamicos gelegen, hat diese Location den Vorteil, dass es nicht so laut ist, weil dort keine Durchgangsstraße ist und dass die Leute von dem Arbeits- bzw. OP-Bereich fern gehalten werden können.

6 OP-Tische standen bereit für 9 Tierärzte inklusive Dr. Susanne Vogler und Giselle Santos (Hacienda Urbana, Santiago). Mit allen ehrenamtlichen Helfern waren etwa 40 Personen im Einsatz.


Der Instumententisch…       Der Medikamententisch…


Zwei separate Tische zur OP-Vorbereitung…


Alles ist hier etwas größer, auch der Aufwachbereich in Erwartung vieler Patienten.


Es gab eine Dame, die sich um Essen und Trinken gekümmert hat und sie tat dies sehr gut.

Es gab ein Extra-Team, welches nur für Katzen zuständig war, d. h. von der Annahme über OP-Vorbereitung bis Nachsorge inklusive der Medikation und Schreibarbeit. Dies entlastete die Hundeleute sehr.


Nach der Rasur…


…werden die losen Haare sorgfältig abgesaugt.


Kontrolle des Patientenblatts: Stimmt als mit den Angaben dort überein?


Dieser Patient ist bereit für die Übergabe in die Aufwachstation…


…wo die liebevollen Hände von Katzenfans auf die schlafenden Patienten warten.


Es wurde mit einer neuen Narkose-Mixtur für die Hunde gearbeitet.

Diese bestand aus einer Kombination von Zoletil 100 mg (Telazol) + Nalbuphine 2,5 mg + Dexdormitor 2,5 mg. Dr. Joe Zulty mixte selbst. Von dieser Mischung bekamen die Hunde 0,03 ml/kg intramuskulär gespritzt und schliefen.


Wie bisher wurden alle Tiere intubiert…


…oder mit Maske an die Gas-Sauerstoff-Narkose während der OP-Dauer angeschlossen.

Die Pre-Medikation von Torbugesic + Acepromazin entfiel. Alle Tiere erhielten außerdem gewichtsabhängig Antibiotika und Schmerzmittel subkutan während der OP sowie Tollwut und DHPPL-Impfung in der Recovery.


Dra Gisselle Santos kastriert eine Katze.


Noch eine Katze, unschwer zu erkennen, wer hier das Skalpell führt…


Dr. Vogler in ihrem Element…


Sie operiert und operiert…


Rings um sie herum…


…tun die Ärzte von GeoVeterinary das Gleiche…


Kastration einer Hündin…


Kastration eines Rüden…


Dr. Vogler hat einen Bluter erwischt…


Stephanie ist für die Narkoseüberwachung zuständig.


Dr. Vogler kastriert die nächste Katze, während Dr. Zulty das Patientenblatt studiert.


Stephanie assistiert Dr. Vogler


Die Aufwachstation ist voll!

Francine, langjährige Volontärin bei AAAS und für die Medikation zuständig, hatte durch eine Nierenbeckenentzündung starke Rückenschmerzen. Trotzdem hat sie an allen 3 Tagen bei der Klinik geholfen. Am 24.02. wurden 47 Hunde und 15 Katzen kastriert.


Am nächsten Tag kam Negrito, ein etwa 6 Monate alter schwarzer Chihuahua- Mix Rüde.

Er war vor 2 Tagen angefahren worden. Dabei wurde sein rechter Hinterlauf zertrümmert. Da der Hund starke Schmerzen hatte, wurde er vorgezogen und musste nicht lange warten.


Dr. Zulty begutachtet das Bein. Es kann nicht gerettet werden.


OP-Vorbereitung von Negrito.


Nach der Rasur werden Haare abgesaugt.


Hier intubiert Judy selbst.


Dr, Zulty bindet das verletzte Bein ein.


Bereit für die Amputation


Dr. Zulty und Dra Gisselle…


…führen die Operation schnell und sauber durch.


Schon kann vernäht werden.

Es ist zwar sehr traurig, ein Bein abzunehmen, aber für das Tier das Beste. Er hätte nie wieder richtig laufen können und zudem ist das Risiko einer schweren Wundinfektion zu hoch. Hunde kommen - im Gegensatz zu Menschen - mit einer Behinderung, wenn sie keine Schmerzen verursacht, sehr gut zu recht. Sie empfinden sich nicht als behindert.

Vader, 55 kg, 3 Jahre, schwarzer Doggenrüde, kam zur Kastration. Sein jetziger Besitzer hat ihn von einem Nachbarn übernommen, der das Land verlassen hat. Durch die Hormonumstellung nach der Kastration sollte der Hund an Gewicht zulegen und ist vielleicht auch seine Hautprobleme los. Lee, sein Besitzer, kam mit ihm zu dieser Klinik, weil es mehrere Leute braucht, um das Tier wegen seiner Größe zu händeln.


Vader wird auf dem Boden vorbereitet.


Alles ist etwas größer hier, auch der Tubus…


Judy begutachtet den Riesen…

Nach der OP wollte Vader nicht so richtig aufwachen, so dass ein Antisedativum (Antisedan / Reversal) notwendig war. Danach fing er dermaßen an zu "singen" (heulen, jaulen), dass die Tische bebten.

Doch aufstehen wollte er immer noch nicht. Mit vereinten Kräften wird er zum Wagen getragen. 47 Hunde und 22 Katzen wurden am 25.02. Kastriert.

Am dritten Tag bekamen 2 Chihuahuas auf dem OP-Tisch Herzprobleme. Dank des umgehenden Einsatzes weiterer Tierärzte und Atropin bzw. Epiphedrin Gaben konnte die Tiere stabilisiert werden…


…so dass die OP's erfolgreich beendet wurde…


…und die Tiere normal aufwachten.

2 große Hunde bekamen beim Aufwachen Angst und schrien aus Leibeskräften. Sie beruhigten sich aber wieder und als der Narkose Nebel verzogen war, war alles wieder in Ordnung. Das Schreien nach der OP ist sonst nur bei Chiuhuahuas üblich. Sie bekommen dann ein wenig Novalgin auf die Zunge geträufelt, was sie gut zur Ruhe kommen lässt.

Ab Mittag gab es keinen Strom. Der zur Verfügung gestellte Generator funkionierte, aus welchen Gründen auch immer, nicht. Es war dann sehr dunkel in dem Gebäude und sehr schnell heiß und stickig. Zum Glück kam der Strom nach ca. 1 Std. zurück.

Am Nachmittag kamen Mario, ein deutscher Tierarzt im Ruhestand aus Hamburg, und seine Frau Andrea zu Besuch, die den Winter in der Dominikanischen Republik verbringen. Er ist eine „Gassi-Geh-Bekanntschaft“ von Marina Jellinek, die ihn eingeladen hat, sich anzuschauen, wie hier im Land Feldkliniken durchgeführt werden. Sie hat die Beiden mit Susanne Vogler, Judy Liggio und Dee Morisson bekannt gemacht und auch den „Kreolischen Hund“ als deutschen Ansprechpartner erwähnt.


Einer der letzten Hunde an diesem Tag war eine Chow-Chow Hündin.


Sie hatte merkwürdig verändertes Gewebe um die Eierstöcke.

Die Tierärzte wussten nicht was es ist. Sie haben aber alles entfernt und eine Probe zur Untersuchung mitgenommen.

Am 26.02., dem letzten Einsatztag, wurden 52 Hunde und 13 Katzen kastriert.


Am 27. hatte Dr. Vogler einen freien Tag und fuhr nach Samaná…

…„um einen Blick auf den Atlantik zu werfen“. Am 28. besuchte sie eine Bekannte in den Bergen von Jamao und eine Grundschule, für die sie Spenden mitgebracht hatte. Der Abflug musste wegen eines Flugzeugdefekts auf den nächsten Tag verschoben werden.

Wir danken Dr. Susanne Vogler ganz herzlich für ihr großartiges Engagement und hoffen, dass der Verein zur Hilfe und Förderung des kreolischen Hundes e.V. am Einsatz 2018 wieder beteiligt ist!

Der für August geplante Einsatz im Südwesten der Dominikanischen Republik muss auf Anfang 2018 verschoben werden, weil die Teilnehmer keinen gemeinsamen Termin finden konnten. Wir sammeln jetzt schon Spenden für die Kastrationen 2018, denn außer dem Einsatz von Anja Heß und ihrem Team stehen im ersten Halbjahr auch noch Einsätze mit Dr. Vogler, Claudia Bretthauer, und Julia Neumann, Monika Eickhoff und Team an. Wir bitten um Ihre Hilfe, damit wir 2018 wieder in gewohntem Maße kastrieren können!


Erster Kastrationseinsatz auf Grenada
mit Claudia Bretthauer

26.01. – 06.02.2017

Die Grenada SPCA besteht seit 1936 und ist eine der ältesten Tierschutzvereine in der Karibik. 2008 wurden wir zum ersten Mal auf die GSPCA aufmerksam anlässlich ihrer Präsentation auf der Karibischen Tierschutzkonferenz in Santo Domingo. Die damalige Vorsitzende erzählte auf der Konferenz: „Es scheint fast immer ein Arzt auf Grenada zu sein, bis auf wenige Wochen im Jahr. Die meisten kommen aus England, USA und Kanada. Wir haben ein Appartement im 1. Stock unserer Klinik in St. George und ein Strandhaus auf unser er Schwesterninsel Carriacou, in dem ein Zimmer zu einem OP-Raum umfunktioniert wurde. im Norden haben wir zwei Stationen zum Kastrieren…


…ein Privathaus, dessen Veranda zur Verfügung steht…


…und eine Plantage.

Alles Benötigte transportieren wir in unserem OP-Van, einer mobilen Klinik, die von der WSPA gespendet wurde. Wir besuchen damit auch abgelegene Dörfer und operieren den ganzen Tag im Van, solange Stromanschluss und Zugang zu Wasser möglich ist. Es können 15 - 20 Tiere pro Tag sterilisiert werden. Wir kastrieren 1200 Hunde pro Jahr.“ Sie sandte uns nicht nur Fotos, um unseren Bericht zu illustrieren, sondern auch für unseren noch jungen Verein sehr wertvolle Tipps zur Durchführung von Feldkliniken. Damals war Grenada führend in Sachen Kastrationen im gesamten karibischen Raum.

Im Januar 2016 schrieb uns die jetzige Vorsitzende Sharon Yawching: „Das, was uns am meisten fehlt, sind Ärzte für Feldkliniken, die hinausgehen in die abgelegenen, armen Dörfer…“

Als Claudia Bretthauer anfragte, ob wir Interesse an einer Zusammenarbeit mit ihr hätten, wussten wir, wir haben die richtige Ärztin für Grenada gefunden!

Claudia Bretthauer liebt den Marathon…

…sei es privat als sehr erfolgreiche Distanzreiterin…


…oder im Beruf, hier bei einem Einsatz in Spanien im November 2015…

…wo sie zusammen mit nur einem Kollegen innerhalb von nur vier Tagen etwa 180 Katzen und 150 Hunde kastrierte. Später sagte sie, die logistische Glanzleistung des Helferteams sei ausschlaggebend für dieses Ergebnis gewesen.

Der Einsatz fand auf dem 200 Jahre alten Crayfish Bay Organic Cocoa Estate im Norden Grenadas statt.


Kim und Lylette Russell bauen hier nach den Prinzipien von Fair Trade bio-dynamischen Kakao an und erzeugen feinste organische Schokolade.


Viel mühevolle Arbeit musste in das völlig verfallene Estate investiert werden…


…bevor Crayfish Bay in neuem Glanz erstrahlte…


So sieht das Crayfish Bay Organic Cocoa Estate heute aus.

Das Land wird von Kims und Lylettes einheimischen Mitarbeitern bewirtschaftet, die 90% des Preises für das Rohprodukt erhalten und darüber hinaus auf dem Land anbauen dürfen, was und wie viel sie wollen, für den Eigenbedarf oder zum Verkauf, vorausgesetzt, dass die Produkte biologisch erzeugt werden und die Pflanzungen dem Kakaoanbau nicht schaden.


Aus dieser wunderbaren Pflanze…


…entsteht nach der Ernte…


… und vielen, vielen Arbeitsgängen…


…feinste biologische Schokolade!


Das „Little House“ von Crayfish Bay…


…sonst Ferienunterkunft für Rucksacktouristen, die den abgelegenen Norden der Insel erkunden wollen…


…diente Claudia Bretthauer und ihrem Team als Unterkunft und OP zugleich.
Sie konnten sozusagen von Zuhause aus arbeiten…


Der Verandapfeiler sollte während des Einsatzes zum Katzenkastrationsbrett werden…

Die Einsatzvorbereitungen verliefen nicht ohne Zwischenfälle.

Beim Versand des Equipments an Claudia Bretthauer wurden unsere Schermaschinen entwendet. DHL ersetzte nur etwa ein Fünftel des Gebrauchtwerts, aber unsere treuen Spender ließen uns nicht im Stich! Dank ihrer Hilfe konnten wir neue Maschinen anschaffen.

Doch sobald Claudia Bretthauer ihren Fuß auf Grenada gesetzt hatte, begann der erfolgreichste Einsatz, den wir je hatten. Innerhalb einer guten Woche wurden 252 Tiere kastriert. Dazwischen fand die begnadete Chirurgin noch Zeit, einen sehr persönlichen Reisebericht in Form eines Tagebuchs zu schreiben, dem wir nichts hinzuzufügen haben.

Reisebericht von Claudia Bretthauer

Am 26.01.17 brach unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus meiner ehemaligen Helferin Sonja, dem Tierarzthelfer Dominik, meinem Mann Carsten und mir, auf in Richtung Grenada. Ankunft war gegen sechzehn Uhr ostkaribischer Zeit. Abgeholt wurden wir von Luke, dem Freund von Hayley, die uns in den nächsten Tagen als Tierärztin zur Seite stehen wird. Nach einer kurvenreichen Fahrt im Dunkeln an der Küste entlang ohne Leitplanke berghoch und runter kamen wir nach ca. 1 Stunde bei Kim Russell an. Er betreibt eine Kakaofarm in St. Mark im Norden Grenadas zusammen mit seiner Frau Lylette und wird in den nächsten zwei Wochen sein Gästehaus für unsere Kastrationsaktion zur Verfügung stellen. Wir wurden enthusiastisch mit einer leckeren Fischsuppe empfangen…


…und bauten bis tief in die Nacht auf der Terrasse unserer Ferienhütte unseren OP Saal auf.


Es kann losgehen!


27.01. Morgens gegen elf kamen die ersten Hunde.

Insgesamt sollten es 12 Hündinnen, 14 Rüden…

…drei Katzen…


…und 20 Abtreibungen werden.

Hayley übernahm davon auch zwei Hündinnen und drei Rüden. Sie operiert sehr gut! Von links nach rechts: Jolanda aus St. Georges, Dominik, Sonja, ich, Ronaldo aus St. Georges, Luke und am OP Tisch Hayley.


Alle Tiere wurden gegen Flöhe und Zecken behandelt…


…und bekamen eine Tollwutimpfung und Wurmkur. Flöhe haben hier scheinbar alle Tiere.

Ein Rüde einer älteren Dame sollte nur geimpft werden, dies erfuhr ich allerdings erst, nachdem ich schon einen Hoden operiert hatte. Leider durfte ich trotz aller Überredungsversuche den zweiten nicht mehr entfernen. Für Morgen sind dreißig Tiere geordert.

28.01. Heute ging es etwas früher los, da Samstag war und die Leute mehr Zeit hatten. Teilweise standen um die 15 Einheimische vor unserer Open Air Klinik. Es kamen viele junge Leute, die uns ihre Hunde brachten.


Zettel, die überall befestigt waren…


…und Flyer, die an den Hauswänden der umliegenden Dörfer klebten, wiesen ihnen den Weg.

Teilweise waren sie an sehr interessanten Leinen fest gemacht, die aus Ketten, Stromkabeln und Haltebändern bestanden. Zwei Hündinnen, die von einem kleinen Jungen gebracht wurden, sollten wohl nur entwurmt und geimpft werden, sie waren nämlich schon kastriert. Leider sagte er es uns nicht und Narben am Hundebauch rühren erfahrungsgemäß nicht immer von einer Kastration. Ein Rüde hatte einen doppelten Leistenbruch, in dem sich fast der ganze Dünndarm befand.

Ca. 99% aller bisher kastrierten Hunde waren Bluter aufgrund der durch Zecken übertragenen Ehrlichiose. Sie alle bekamen Doxycyclin von uns.  Gegen Nachmittag kam Hayley und übernahm drei Hündinnen und fünf Rüden.

Die neuen Schermaschinen, hier im Vordergrund, bewähren sich im Einsatz. Insgesamt wurden heute 16 Hündinnen, 23 Rüden und eine Katze kastriert, vierzig Tiere, wir fallen abends müde ins Bett.

29.01. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Spiegelei, Bohnen, Speck , Tomaten und frisch ausgepressten Grapefruitsaft brachte uns unser Gastgeber Kim an einen einsamen Sandstrand in einer Bucht.


Als Touristen verkleidet…

Es war herrlich, allein im warmen Meer zu baden und auf den Felsen herum zu klettern, um kleine Krebse zu beobachten! Da Kim noch Termine hatte und daher nicht bei uns bleiben konnte, machten wir uns nach zwei Stunden zu Fuß auf den Weg Richtung Unterkunft.  Es ging über schmale Pfade durch kleine Dörfer die Steilküste entlang durch den Regenwald bis hinunter ans Meer, wo die Fischerboote lagen. Alle Menschen, die uns begegneten, waren sehr freundlich zu uns. Am Meer sahen wir plötzlich, wie ein Mann seinen kleinen Hund vermeintlich ertränken wollte. Wir rannten schnell hin und sprachen ihn an. Er erklärte uns, dass er den Hund nur entflohen wolle, indem er ihn mehrfach komplett unter Wasser drückte. Wir klärten ihn über unsere Aktion auf und er versprach uns, in den nächsten Tagen vorbei zu kommen und Flohmittel zu holen. Abends gingen wir zufrieden früh schlafen und pflegten unseren Sonnenbrand.

30.01. Der Tag begann wie immer mit einem super Frühstück, diesmal gab es Spiegelei und Speck. Gegen halb elf trudelten die ersten Hunde ein, allen voran ein Rüde, den wir zwei Tage zuvor kastriert hatten. Er hatte sich die OP Wunde aufgenagt. Leider war er so bissig, dass wir ihn in Narkose legen mussten, um uns einen Überblick zu verschaffen. Zum Glück war es nicht so schlimm, ich nähte einen zusätzlichen Faden ein, danach konnte er in Ruhe ausschlafen. Nachmittags kam noch eine "Reklamation". Der Rüde mit dem Leistenbruch hatte mit einer Wundschwellung zu kämpfen. Fieber hatte er zum Glück keins. Wir verabreichten ihm Antibiotika und Schmerzmittel und baten die Besitzer, in zwei Tagen wieder zu kommen. Schön, dass die Leute sich anscheinend doch um die frisch operierten Tiere sorgen.

Wir schafften heute 18 Hündinnen, 10 Rüden, 1 Katze und 1 Kater (diesen übernahm Dominik). Bei einer Hündin entfernte ich noch einen Gesäugetumor. Hayley hatte heute leider keine Zeit zu helfen.  Drei Hunde legten wir vorsichtshalber an die Infusion, da sie so stark an Ehrlichiose litten, dass die Schleimhäute weiß waren. Allen ging es nach überstandener Operation gut.


Zecken, Überträger der Ehrlihiose, werden entfernt…


…und in einer Wasserschüssel entsorgt.


Dann geht es an den Tropf…

Das Resultat der ersten drei Tage kann sich sehen lassen, wir haben schon 99 Tiere kastriert, fast die Hälfte der Tiere, die wir machen wollten.

31.01. Nach einem reichhaltigen Omelettfrühstück mussten wir erstmal eine Weile auf unsere Hundefänger Luke und Ronaldo warten. Sie haben den halben Vormittag ihre Kreditkarte suchen müssen, um tanken zu können.

Bei der ersten Hundelieferung dann passierte es: Eine Hündin entkam aus einer nicht richtig schließenden Hundebox und verschwand im Gebüsch des dicht bewachsenen Regenwald-Grundstücks von Kim. Zum Glück war teilweise ein Zaun vorhanden und der Hofeingang von den beiden hofeigenen Hunden bewacht. So konnten wir zu sechst sofort ausschwärmen und mit Hilfe der Hundeschlinge die Hündin wieder einfangen. Heute waren einige recht große und einige sehr junge Hündinnen zu kastrieren. Bei einer jungen Hündin mit unheimlich marodem Gewebe aufgrund von Ehrlichiose riss ein Eierstock leider komplett ab. Die Blutungen gingen zu stillen, aber aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes musste ich die Operation abbrechen. Die Hündin wird möglicherweise zwar läufig, kann aber nicht mehr trächtig werden. Zum Glück war es keine Straßenhündin, so dass wir die Besitzer informieren konnten. Wir kastrierten heute 9 Hündinnen, 20 Rüden und zwei Katzen. Hayley hatte keine Zeit, dafür durfte Dominik sechs der Rüden übernehmen.

01.02. Heute ging die Hundeanlieferung schleppender vonstatten, da Luke und Ronaldo in ziemlich abgelegen Gegenden unterwegs waren.


Die letzten zwei Hunde und Katzen mussten daher im Dunkeln unter einer Hängelampe…

…bzw. im Taschenlampenschein kastriert werden, was natürlich viele Insekten anzog, die mir um die Ohren schwirrten. Zwischendurch wurde uns die Zeit vertrieben durch eine amerikanische Reisegruppe, die Fotos von uns machte. Wir kastrierten 12 Hündinnen, 16 Rüden, 2 Katzen und 1 Kater, drei Katzenwelpen wurden dabei abgetrieben. Heute hatten wir ein paar Hündinnen mit massiv Wasser im Bauch. Eine davon war so schlimm, dabei auch schon so abgemagert, dass wir schon überlegt hatten, ob wir sie nicht besser einschläfern.

02. 02. Nach dem Frühstück fuhr ich eine Runde mit unseren beiden Hundefängern. Wahnsinn, was sie leisten! Wir waren in entlegenen Dörfern und sprachen mit den Einheimischen.

Alle mussten ein Formular unterschreiben, in dem sie erklären, dass sie sich über die Risiken einer Operation bewusst sind und mit allen notwendigen medizinischen Maßnahmen einverstanden sind. Erst dann nahmen wir die Hunde mit. Da nur wenige Leute ein Auto haben, werden die Hunde quasi "frei Haus" transportiert. Kurz danach kam der Mann, der vor ein paar Tagen im Meer die Hundeflöhe ertränken wollte. Er hatte sich auf unsere Worte besonnen und nahm dankbar Spot On gegen Zecken und Flöhe für seinen Hund mit.

Gegen Nachmittag kam ein Mann mit zwei Schafen. Sie hatten Milben und wurden direkt von uns mit behandelt. Ein Hund wurde von seinen  Besitzern gebracht.

Leider holte ihn abends niemand ab, so dass er die Nacht in Sonjas Bett verbringen durfte. Wir kastrierten heute 15 Hündinnen, 16 Rüden und eine Katze. Vorhin kam die Nachricht, dass die Hündin, die gestern in so schlimmem Zustand war, Gottseidank gestorben ist. Ich habe Hayley  gefragt, woher das Wasser im Bauch kommt, sie meinte auch dass es von massivem Wurmbefall kommt. Wichtig ist für den nächsten Einsatz auf jeden Fall Wurmkur zum Spritzen!

03.02. Heute ging es früh los mit vielen sehr jungen Hunden. Fast alle hatten Wasser im Bauch, alle Operationen sind trotzdem gut gelungen.


Eine ganze Familie, Mutter, Sohn und Söhnchen – alle kastriert!


Alle Babys werden kastriert, egal wie alt.


Anbei ein Foto von einer Gebärmutter…


Und nochmal mit dem Faden daneben zum Vergleich. Die Gebärmutter ist kaum dicker…

Ich bin froh, so viele Tiere zu bekommen! Und auch so Junge, die ja nicht jeder operieren kann. Wenn es irgendwie geht, kastriere ich alles. Wir hatten noch keinen ernsthaften Zwischenfall, was natürlich auch viel an Dominik liegt, der ein Top Tierarzthelfer ist.


Der jüngste Patient ist ein ca. 6 Wochen alter Rüde.


Auch bei ihm ist die OP gelungen.


Der Patient schläft seinen Rausch aus.

Ein paar Anwohner fragten vorhin, ob wir nochmal wieder kommen und eine 45 Minuten entfernt wohnende Frau wurde extra von ihrer Tochter her gebracht samt ihrem Rüden zum Kastrieren. Der Anfang ist gemacht! Wir schafften 12 Hündinnen, 21 Rüden und 1 Kater. Eine Hündin hatte tote Welpen im Bauch. Das Fruchtwasser war schon dunkel und hart, was ein Glück dass wir sie operieren durften! Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre es sonst ihr Todesurteil gewesen. Haben übrigens gerade Feierabend gemacht. Die Hündin von gestern Abend ist soeben abgeholt worden. Da heute Abend der so genannte "Fish Friday" ist, an dem alle auf der Straße feiern, mischen wir uns unters Volk und fahren zum Fisch essen in Grenadas wichtigstes Fischerdorf Gouyave, herrlich!

04.02. Leider erfuhren wir nach dem Aufstehen, dass unsere Hundefänger nicht kommen können. So frühstückten wir in Ruhe und räumten ein bisschen auf. Gegen Mittag schlug unser Gastgeber Kim vor, mit uns ein paar Hunde zu holen, so dass wir immerhin 4 Hündinnen und drei Rüden kastrieren konnten. Außerdem kamen noch vier Leute aus der Umgebung vorbei, deren Hunde wir entwurmen und entflohen, leider jedoch nicht kastrieren durften.

05.02. Heute, am Sonntag, verbrachten wir den Tag mit Hayley, Luke und Ronaldo.


Wir badeten in paradiesischen Lagunen unter Wasserfällen…


…stiegen auf einen hohen Berg, von dem man das Meer und mehrere kleine Inseln sehen konnten…


…und schwammen im Meer. Es war perfekt!

Leider knickte Dominik unterwegs um und wird uns für die restliche Arbeit nur noch bedingt zur Verfügung stehen.

06.02. Letzter Tag heute... Der Morgen begann wie immer mit einem super Frühstück bei Kim. Dann räumten wir ein letztes Mal unseren OP ein. Die Anlieferung der Hunde ging leider sehr schleppend vonstatten, da morgen Unabhängigkeitstag ist und heute alle schon vor feiern. Wir müssen teilweise zwei Stunden auf das nächste Tier warten.


Ein Rüde, den ich vor ca. 1 Woche kastriert habe…


…kommt mit starker Hodensackschwellung.


Ich muss nachoperieren und die Hodensäcke entfernen.

Ein Rüde hat zwei stark blutende Lidrandtumore, die bis über das Auge ragen. Ich konnte beide gut entfernen. Eine Hündin hat ein Othämatom. Es war schon so alt, dass Narben zurückbleiben werden. Der kleine Rüde mit der Hernie kam ein letztes Mal zur Nachkontrolle und konnte als gesund entlassen werden, es sah super aus!

Drei Kühe wurden gegen Tollwut geimpft, sie mussten allerdings erst auf einer großen Wiese eingefangen werden. Morgen werden noch 30 Ziegen entwurmt…

Das Resümee:

252 Tiere kastriert, davon

106 Hündinnen

131 Rüden

11 Katzen

4 Kater

1 Leistenbruch, 1 Nabelbruch, 1 Othämatom, 1 Lidrandtumor, 2 Mammatumore, 80 Tiere gegen Tollwut geimpft, davon 6 Kühe, 2 Schafe gegen Milben behandelt, 1 Hund gestorben, 1 Hund Hodensackentfernung wegen zu großer Schwellung eine Woche nach der Kastration, 2 Narkosezwischenfälle, alle beide überlebten.

Ein großes Dankeschön an Isabel Gorski-Grobe, die aus der Ferne eine hervorragende Arbeit gemacht hat, indem sie eine große Kastrationsaktion durchführte, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein. Wahnsinn!  Dank auch an Luke und Ronaldo, unsere Hundefänger, die einen körperlich anstrengenden und sehr gefährlichen Job hatten. Sowie an Hayley, die im Hintergrund Impfstoff und Doxycyclin besorgte. Und natürlich an Kim und Lylette, die uns hier arbeiten und wohnen ließen und immer super lecker für uns gekocht haben.

Uns bleibt nur noch, Claudia Bretthauer und ihrem Team für diesen großartigen Einsatz zu danken und zu hoffen, dass wir das 2018 wiederholen können.

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