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Die Südküste

Nach 3 Tagen setzte ich meine Reise nach Süden fort; mit einem kleinen Boot über die Samanà Bay und dann weiter mit Bussen über San Pedro de Macoris und La Romana nach Bayahibe.

Denise Zdena hatte mir einmal auf Facebook geschrieben: "Wenn Du jemals in den Süden der Dom. Rep. kommst, besuche uns. Wir versuchen hier, etwas Ähnliches zu machen wie die A.A.A.S. an der Nordküste." Nun, das wollte ich sehen.

Bayahibe ist ein freundlicher kleiner Ort, der Touristen im Bereich Wassersport viel zu bieten hat, aber nicht die Villen millionenschwerer Besitzer und großen Hotels aufweist, die das Bild der Touristenhochburgen um Punta Cana prägen. Denise und ihr Mann betreiben dort eine Tauchschule. Wir trafen uns am Ortseingang.

Sie stellte mir Yanela Hoyo vor, die vor 2 Jahren die Organisation Collares Rojos (Rote Halsbänder) ins Leben gerufen hat.

Yanela, die ursprünglich aus Kuba stammt, hat ihr Restaurant verkauft und ihren Beruf aufgegeben hat, um ganz für den Tierschutz da zu sein.


Sie wird dabei von ihrem französischen Mann und einigen wenigen Mitstreitern unterstützt.

Am Rande von Bayahibe hat Collares Rojos eine kleine Auffangstation eingerichtet.

Sie hat Platz für etwa 14 Hunde.

Es sind alles wunderschöne Tiere.


Sie haben alle eine schreckliche Vergangenheit.

Diese Hündin wurde während einer Trächtigkeit so schwer mißhandelt, dass sie ihren Wurf verlor.

Ein besonderer kleiner Schatz!

Ich werde von allen sehr freundlich begrüsst.

In den nächsten Tagen fungierte ich als "Gassigeher" für die Hunde der Auffangstation und begleitete Yanela auf ihren Streifzügen durch Bayahibe. Überall, wo ein Tier in Not ist, hilft sie, den herrenlosen Straßentieren genauso wie den Tieren, deren Besitzer sich nicht richtig um sie kümmern (können). Wir besuchten täglich einen Chow Chow, dessen alleinstehender Besitzer im Krankenhaus lag. Ohne Collares Rojos wäre das Tier verdurstet oder verhungert.

Einmal im Monat kastrieren 5 Ärzte ca 50 - 60 Tiere in Bayahibe, 4 von ihnen, ein Arzt aus Puerto Rico und 3 Dominikaner arbeiten in einer Klinik in Santo Domingo. Sie übernachten bei Yanela. Der fünfte ist der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Dr. José, der früher auch in Santo Domingo arbeitete, nun aber eine Klinik in Bayahibe hat, wo Yanela und ihre Mutter arbeiten. Dr. José hat seinen "normalen" Kundenstamm, arbeitet aber für den Tierschutz zum Selbstkostenpreis, genau wie seine Kollegen aus Santo Domingo. Die Materialkosten für eine Kastration + Tollwutimpfung betragen 550 Pesos, umgerechnet ca 10 Euro. Collares Rojos sammelt die Spenden zum größten Teil über Facebook. Und ich konnte sehen, dass in Bayahibe, genau wie in Sosúa, die meisten Tiere kastriert und wohlgenährt sind. Viele kommen jetzt aus dem Umland zu den monatlichen Kastrationseinsätzen. Doch Collares Rojos musste auch schlimme Rückschläge hinnehmen. Mehrfach wurden größere Gruppen kastrierter Hunde von Hotels vergiftet. Und Yanela wusste von furchtbaren Mißhandlungen zu berichten, von Hunden, die vergewaltigt oder mit Säure überschüttet worden waren, wie die arme Amore, die nur knapp dem Tod entrann, nun aber bald adoptionsfähig ist.

Das Land für die Auffangstation von Collares Rojos wurde von Carmen kostenlos zu Verfügung gestellt.

Sie ist Yanela auf ewig dankbar für die Hilfe, die sie erfuhr, als sich die tierliebe Dominikanerin mit der Aufnahme von einem Dutzend Hunden völlig übernommen hatte.


Sie konnte die Tiere nicht mehr ernähren.

Heute hat Carmen 2 wohlgenährte, gesunde Hunde und einige Katzen…

…und hilft in dem kleinen Tierheim mit.

Ich lernte Dr.José eines Abends kennen, als ich mit Yanela und einer Hündin in die Klinik fuhr, bei der sich plötzlich eine schnell wachsende Geschwulst am Bauch gebildet hatte. Sie fieberte und war recht apathisch.

Ich erlebte eine einzigartige Klinik, in der sich die Patienten frei bewegen dürfen, wenn sie nicht gerade in Quarantäne sind oder der Ruhe bedürfen. Dr. José hält nichts vom Eimsperren der Tiere in Boxen.


Auf geht's zum Tierarzt!


Die Tierklinik von Bayahibe.

Yanela putzt und pflegt hier, ihre Mutter arbeitet am Empfang und als Sekretärin.

Unsere Hündin bekommt eine Injektion. Abszess oder Tumor? Das ist in diesem Augenblick noch nicht eindeutig festzustellen.

Dr. José hält nichts vom Einsperren seiner Patienten.

Diese Hündin hat gerade eine Chemotherapie für ihr Stickersarkom erhalten.

Als ich sie nach zwei Tagen wiedersehe, ist sie schon viel munterer.

Sie wird jedoch noch einige Behandlungen mit Vynchristine brauchen bei einem Tumor diesen Ausmaßes.

Das Stickersarkom wird bei der Paarung übertragen, kann aber überall am Körper auftreten, wenn sich zum Beispiel Welpen bei der Geburt bei ihrer erkrankten Mutter infizieren.

Nach 3 Tagen fuhren Yanela, Dr. José und Annabelle, eine der Ärztinnen aus Santo Domingo nach Cabrera im Norden, wo ein Kastrationseinsatz von Animal Balance stattfand, einer großen amerikanischen Tierschutzorganisation. Ich fuhr mit, da ich auch nach Norden musste und mich sehr gern einmal mit Emma Clifford von Animal Balance unterhalten wollte über ihre Erfahrungen mit Neutersol, einem Medikament zur Kastration von Rüden mittels Injektion in die Hoden. Animal Balance hat Neutersol auf Samoa und Galapagos in grossem Umfang eingesetzt. Mit von der Partie waren kanadische Freunde von Collares Rojos, die nach Cabarete wollten und mich bis zu Judys Haustür mitnahmen. Auf meinem Schoß reiste ein junger Rüde, kaum 6 Monate alt, der von einem Auto schwer verletzt worden war und gerade noch rechtzeitig gerettet wurde, bevor er in einer Mülltonne verschwand. Er wurde unterwegs an eine Freundin von Collares Rojos übergeben, die ihn zur Klinik in Santo Domingo brachte, wo die Schraube, die noch in seiner Hüfte steckte, entfernt werden sollte. Ausserdem sah der kleine Kerl einer Behandlung gegen mehrere Stickersarkome im Lefzenbereich entgegen. Er hatte sich wohl im Geburtskanal seiner befallenen Mutter angesteckt.


In Cabrera wurden wir von Emma Clifford und ihrem Team herzlich begrüsst und durch alle Räume geführt.

Endlich sah ich auch einmal den Aufbau einer Feldklinik mit eigenen Augen!

Wie schon in Sosúa, hat auch hier eine kleine Schule ihre Räume zur Vefügung gestellt.

Aufnahme, Apotheke und Vorbereitungsraum in einem.

Der Aufwachraum

Und schließlich: Der OP !

Es entspann sich eine interessante Diskussion zwischen Emma, den Collares Rojos Mitgliedern und mir. Es ging dabei um die immer wieder vorkommenden Vergiftungen kastrierter Tiere in Kommunen, an Hotelanlagen und an Stränden, und die Möglichkeiten, dagegen anzukämpfen. Ich beschrieb den Weg, den der TSV auf Antigua gewählt hat, um die Erlaubnis zum Kastrieren zu erhalten. Die Regierung von Antigua hatte die Tötung aller Strassenhunde beschlossen. Mitglieder des Tierschutzvereins von Antigua sammelten Tausende von Briefen, geschrieben von Touristen, die erklärten, dass sie nicht mehr auf einer Insel Urlaub machen würden, wo die Tiere getötet statt kastriert würden. Die Botschaft wirkte , die geplante Massentötung wurde abgeblasen und der TSV Antigua erhielt die Genehmigung zum Kastrieren. So eine Taktik müsste sich doch auch im Fall von Vergiftungen einsetzen lassen, schließlich ist auch in der Dominikanischen Republik der Tourismus die wichtigste Industrie.

Über Neutersol konnten Emma und ich uns nicht mehr unterhalten, denn Yanelas kanadische Freunde wollten weiter nach Cabarete, und ich fuhr mit ihnen nach Sosúa. Emma und ich tauschten Adressen; wir werden in kommenden Jahren noch viel Diskussionsstoff haben. Yanela, Anabelle und Dr. José blieben; sie wollten die Unterstützung von Animal Balance zur Durchführung von Kastrationsprojekten in La Romana und Higuey gewinnen, zwei Städten voller Elend, aber viel zu gross für eine kleine Organisation wie Collares Rojos.

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